Die Frage „Wie viel Kälte brauche ich?“ lässt sich seriös nur über die Wärmelast beantworten: über jene Energiemenge, die pro Zeiteinheit aus einem Raum, einem Prozess oder einem Medium abgeführt werden muss. Sie setzt sich aus inneren Lasten (Maschinen, IT, Menschen, Beleuchtung) und äußeren Lasten (Sonneneinstrahlung, Transmission durch Wände und Dach, Außenluft) zusammen.
Dieser Beitrag liefert Richtwerte für den ersten Überschlag, die beiden gängigen Rechenwege und die Angaben, mit denen unsere Partner ein Angebot für Mietkälte kalkulieren können.
Kälteleistung ist abgeführte Wärme, nichts anderes
Eine Kälteanlage erzeugt keine Kälte, sie transportiert Wärme. Die Kälteleistung in Kilowatt gibt an, wie viel Wärme pro Sekunde aufgenommen und an anderer Stelle wieder abgegeben wird. Für die Auslegung heißt das: Zählen Sie zusammen, was Wärme in den Raum bringt.
- Innere Lasten: Maschinen und Antriebe (nahezu die gesamte elektrische Aufnahmeleistung wird zu Wärme), IT-Technik, Beleuchtung, Personen mit 100 bis 150 Watt je Person.
- Äußere Lasten: Sonneneinstrahlung durch Glasflächen (unbeschattet nach Süden bis zu mehreren hundert Watt je Quadratmeter Glasfläche), Transmission durch Dach und Wände, warme Zuluft.
- Prozesslasten: Kühlung von Werkzeugen, Formen, Extrudern, Gärtanks oder Reaktoren; hier liefert meist der Maschinenhersteller die Zahl.
Ein häufiger Irrtum: die Leistung der bestehenden Anlage als Maßstab zu nehmen. Alte Anlagen sind oft großzügig überdimensioniert oder, nach Erweiterungen im Betrieb, längst zu klein.
Kaltwassersatz mieten: von der Anfrage bis zum Abtransport
Die Animation zeigt in fünf Schritten, wie es abläuft: Anfrage, Lieferung, Anschluss, Betrieb und Abholung. Unter der Zeichnung steht zu jedem Schritt, was dabei passiert.
- Strom
- Kaltwasser-Vorlauf
- Rücklauf
- Schritt 1 von 5 · AnfrageKälteleistung und Zeitraum nennenKälteleistung in kW, Vor- und Rücklauftemperatur, Mietzeitraum, Einsatzort und Stromversorgung genügen für den Start. Der Anbieter erstellt daraus ein Angebot.
- Schritt 2 von 5 · LieferungAnlieferung, auch als NotkälteDer Anbieter liefert den Kaltwassersatz zum vereinbarten Termin und stellt ihn im Freien auf. Einige Partner liefern im Notfall österreichweit innerhalb von 6 bis 8 Stunden.
- Schritt 3 von 5 · AnschlussVorlauf, Rücklauf, StromDer Vermieter schließt den Kaltwassersatz an Vorlauf, Rücklauf und Strom an und nimmt ihn in Betrieb. Ab etwa 15 kW ist ein 400-V-Anschluss üblich.
- Schritt 4 von 5 · BetriebKaltwasser für Ihre AnlageDer Kaltwassersatz kühlt das Wasser ab und schickt es über den Vorlauf zu Ihren Verbrauchern, der Rücklauf bringt es erwärmt zurück. Die Ventilatoren geben die Wärme an die Außenluft ab, der Anbieter überwacht die Technik.
- Schritt 5 von 5 · AbholungDemontage und AbtransportIst die Mietzeit abgelaufen, trennt der Vermieter die Anlage vom Netz, demontiert sie und transportiert sie ab.
Der erste Schritt ist die Anfrage. Beschreiben Sie Ihr Vorhaben. Wir holen bis zu drei Vergleichsangebote ein, kostenlos und unverbindlich.
Richtwerte für den ersten Überschlag
Für eine erste Einschätzung genügen Erfahrungswerte. Sie ersetzen keine Kühllastberechnung, grenzen die Leistungsklasse aber zuverlässig ein.
| Anwendung | Richtwert Kälteleistung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Büro- und Verwaltungsflächen | 60 bis 100 W je m² | abhängig von Glasanteil und Verschattung |
| Verkaufsraum, Gastronomie | 100 bis 150 W je m² | hohe Personenbelegung, Kochbereiche gesondert |
| Serverraum, Technikraum | 1 kW je 1 kW IT-Last | zuzüglich 10 bis 20 Prozent für Verluste |
| Produktionshalle mit Maschinen | Summe der elektrischen Aufnahmeleistung | plus äußere Lasten bei Hallendächern |
| Veranstaltungszelt | 200 bis 350 W je m² | stark abhängig von Belegung und Sonne |
| Lagerkühlung, Frischware | je Kubikmeter Lagervolumen rechnen | Ein- und Auslagerung dominiert die Last |
Für Lagerkühlung ist der reine Flächenwert unbrauchbar: Dort bestimmen Warenumschlag, Türöffnungen und die Eintrittstemperatur der Ware die Auslegung. Wenn nur Ware zwischengelagert werden muss, ist ein Kühlcontainer meist die einfachere und günstigere Lösung als eine Raumkühlung.
Die zwei Formeln, die Sie brauchen
Über den Luftvolumenstrom
Wenn ein Luftstrom gekühlt wird (Halle, Zelt, Trocknung, Zuluftanlage), gilt:
Kälteleistung [kW] = Volumenstrom [m³/h] × Temperaturdifferenz [K] × 0,00034
Beispiel: 20.000 m³/h Zuluft sollen um 8 Kelvin gekühlt werden. 20.000 × 8 × 0,00034 ≈ 54 kW. Wird die Luft dabei zusätzlich entfeuchtet, steigt der Bedarf deutlich. Entfeuchtung kann die Hälfte der Gesamtleistung ausmachen.
Über den Wasserkreislauf
Bei Prozesskühlung mit Kaltwasser gilt:
Kälteleistung [kW] = Volumenstrom [m³/h] × Temperaturdifferenz [K] × 1,16
Beispiel: 12 m³/h Kaltwasser mit 5 Kelvin Spreizung ergeben 12 × 5 × 1,16 ≈ 70 kW. Bei Wasser-Glykol-Gemischen sinkt die Wärmekapazität; bei 30 Prozent Glykolanteil rechnet man mit rund 5 bis 10 Prozent Leistungsabschlag und höherem Druckverlust.
Rechner
Kälteleistung selbst überschlagen
Der Rechenweg dieses Abschnitts als Werkzeug: Werte eintragen, Ergebnis sofort ablesen und mit einem Klick in die passende Anfragestrecke wechseln.
Ergebnis
– kW
Benötigte Kälteleistung
- Passende Gerätegröße
- – kW
- Wärmelast ohne Reserve
- – kW
- Kaltwasser-Volumenstrom bei 5 K Spreizung
- – m³/h
Kostenlos und unverbindlich. Wir holen bis zu drei Vergleichsangebote ein.
Womit der Rechner arbeitet
- 120 Watt Wärmeabgabe je Person, 70 Prozent Gleichzeitigkeit bei Maschinen.
- Volumenstrom gerechnet für eine Spreizung von 5 Kelvin (typisch 12/7 °C).
- Richtwerte für Komfortkühlung; Prozesskälte mit tiefen Temperaturen liegt darüber.
Alle Ergebnisse sind Richtwerte für die Vorauswahl. Verbindlich ist die Auslegung durch den Anbieter. Sie ist im Angebot enthalten und für Sie kostenlos.
Rechenweg und häufige Fragen
So rechnet der Rechner
Die Wärmelast entsteht aus drei Quellen, die addiert werden:
- Gebäude und Beleuchtung: Fläche × Richtwert der Nutzung.
- Personen: Anzahl × 120 Watt.
- Maschinen: elektrische Anschlussleistung × 0,7. Nahezu die gesamte aufgenommene Energie wird im Raum zu Wärme.
Auf die Summe kommen der Zuschlag für Gebäudehülle und Sonneneintrag sowie die gewählte Reserve. Das Ergebnis ist die benötigte Kälteleistung; daraus ergibt sich die nächste marktübliche Gerätegröße.
Der Volumenstrom folgt aus V̇ = Q ÷ (1,163 × ΔT). Er ist die Kennzahl, an der Pumpe, Schlauchquerschnitt und Anschluss hängen, und deshalb genauso wichtig wie die Kilowatt.
Wann der Überschlag nicht reicht
Bei Prozesskälte mit definierten Vorlauftemperaturen, bei Kühlräumen mit Warenein- und -auslagerung sowie bei Anlagen mit Glykol im Kreislauf verschiebt sich die Rechnung deutlich. Glykol senkt die übertragbare Leistung, tiefe Vorlauftemperaturen senken die Leistung des Kaltwassersatzes. In diesen Fällen nennen Sie in der Anfrage besser Prozess, Zieltemperatur und Medium. Die Auslegung übernehmen dann die Techniker.
Wie viel Kälteleistung braucht ein Serverraum?
Im Rechenzentrum entspricht die Kälteleistung praktisch der IT-Last plus 10 bis 20 Prozent für Verluste. Bei bekannter IT-Last ist das der genauere Weg als der Flächenrichtwert. Wie schnell es ohne Kühlung eng wird, zeigt der Serverraum-Rechner.
Warum ist der Volumenstrom so wichtig?
Weil er über Pumpe, Schlauchquerschnitt und Übergabestelle entscheidet. Ein Kaltwassersatz kann seine Leistung nur abgeben, wenn der Volumenstrom passt. Bei größerer Spreizung sinkt er, bei kleinerer steigt er. Deshalb gehört die geplante Spreizung in jede Anfrage.
Reicht ein Gerät oder brauche ich mehrere?
Bis etwa 500 kW ist eine Einheit die Regel. Darüber, und immer dann, wenn ein Ausfall den Betrieb stoppt, werden zwei kleinere Anlagen kombiniert. Das schafft Redundanz und erlaubt es, in der Übergangszeit nur eine Maschine zu betreiben.
Grundlagen dieses Rechners: ÖNORM H 6040: Berechnung der Kühllast von Räumen und Gebäuden, ÖNORM EN 16798: Energieeffizienz von Gebäuden, Raumklima-Parameter, ÖNORM EN 14511: Leistungsangaben von Kaltwassersätzen bei definierten Bedingungen.
Das Temperaturniveau entscheidet über die Technik
Zwei Anlagen mit identischen 150 kW Kälteleistung können völlig verschiedene Maschinen sein. Ausschlaggebend ist, auf welchem Temperaturniveau die Kälte bereitgestellt wird: Jedes Kelvin tiefer kostet Leistung und Strom.
| Vorlauftemperatur | Typische Anwendung | Hinweis |
|---|---|---|
| +12 bis +18 °C | Bauteilkühlung, Betonkernaktivierung, freie Kühlung | hohe Effizienz, freie Kühlung oft möglich |
| +6 bis +12 °C | Komfortklima, Lüftungsanlagen, Prozesskühlung | Standardfall der Mietkälte |
| 0 bis +6 °C | Lebensmittelverarbeitung, Getränkeindustrie | Frostschutz erforderlich |
| −10 bis 0 °C | Prozesskühlung, Gärkeller, Kühlhäuser | Glykolgemisch zwingend |
| unter −18 °C | Tiefkühllager, Schockfrosten | Sonderaggregate, längerer Vorlauf |
Geben Sie in der Anfrage deshalb immer Vorlauf- und Rücklauftemperatur an. Aus der Spreizung ergibt sich der notwendige Volumenstrom, und damit die Dimension von Pumpen, Schläuchen und Übergabestation.
Kaltwassersatz, Splitgerät oder Rooftop?
Steht die Leistung fest, folgt die Bauart. Sie hängt davon ab, wie die Kälte in das Gebäude oder den Prozess kommt.
- Kaltwassersatz: erzeugt Kaltwasser, wird über Schläuche an bestehende Verteiler, Lüftungsregister oder Maschinen angebunden. Die flexibelste Lösung, ideal bei vorhandener Hydraulik.
- Splitgerät: Innen- und Außeneinheit mit Kältemittelleitung. Schnell installiert für einzelne Räume, Serverräume und Büros; begrenzte Leitungslänge.
- Rooftop- oder Klimacontainer: komplette Luftbehandlung in einer Einheit, Anschluss über Luftschläuche. Erste Wahl für Zelte, Hallen und temporäre Veranstaltungsflächen.
- Luftkühler (Fan-Coil): Übergabe vom Kaltwasser an die Raumluft, wenn keine Lüftungsanlage vorhanden ist. Er wird gemeinsam mit dem Kaltwassersatz gemietet.
Ob Sie einen Kaltwassersatz mieten oder kaufen, hängt vor allem davon ab, wie lange Sie die Kälte brauchen. Die meisten Geräte arbeiten luftgekühlt und stehen im Freien. Wassergekühlte Kaltwassersätze kommen infrage, wenn die Maschine im Gebäude stehen soll.
Für Rechenzentren und Serverräume gelten Sonderregeln. Details im Beitrag Serverraum-Notkühlung.
Stromanschluss, Aufstellfläche, Schlauchwege
Die drei häufigsten Gründe, warum eine Mietkälteanlage nicht am geplanten Tag läuft, haben nichts mit der Kälteleistung zu tun:
- Strom. Rechnen Sie überschlägig mit einer elektrischen Aufnahmeleistung von etwa einem Drittel der Kälteleistung: 150 kW Kälte benötigen also grob 50 kW Anschlussleistung. Prüfen Sie Absicherung und Steckvorrichtung. Reicht das Netz nicht, kommt ein Stromerzeuger dazu.
- Platz und Zufahrt. Aggregate ab etwa 200 kW brauchen eine befestigte Stellfläche, Kranfreiheit oder eine Anfahrt für den Tieflader sowie freie Ansaug- und Ausblasflächen. Zu enge Innenhöfe führen zum Kurzschluss der Warmluft und damit zu Leistungsverlust.
- Schlauchwege. Jeder Meter Schlauch, jede Bogenführung und jeder Höhenunterschied kostet Druck. Ab etwa 30 Metern Trassenlänge oder mehreren Geschoßen gehört das in die Anfrage.
Dazu kommen Kondensatableitung, Frostschutz bei Außenaufstellung im Winter und (in bewohnter Umgebung) der Schallschutz.
Diese sieben Angaben genügen für ein Angebot
- Benötigte Kälteleistung in kW, oder die Eckdaten, aus denen wir sie ableiten.
- Vorlauf- und Rücklauftemperatur beziehungsweise gewünschte Raumtemperatur.
- Medium: Wasser, Wasser-Glykol-Gemisch oder Luft.
- Mietzeitraum und gewünschter Liefertermin.
- Einsatzort mit Postleitzahl, Zufahrt und Aufstellfläche.
- Verfügbare Stromversorgung (Absicherung, Steckvorrichtung, Entfernung).
- Anbindung: vorhandene Hydraulik, Lüftungsanlage oder freie Ausblasung.
Fehlen Ihnen Werte, ist das kein Hindernis: Beschreiben Sie das Vorhaben im Anfrageformular, die Auslegung übernehmen die Techniker unserer Partnerbetriebe im Zuge der Angebotserstellung.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Kälteleistung brauche ich pro Quadratmeter?
Für Büroflächen sind 60 bis 100 Watt je Quadratmeter ein brauchbarer Startwert, für Verkaufs- und Gastronomieflächen 100 bis 150 Watt. Bei Produktions- und Serverräumen ist der Flächenwert dagegen unbrauchbar. Dort zählt die installierte Maschinen- beziehungsweise IT-Leistung.
Was ist der Unterschied zwischen Kälteleistung und Anschlussleistung?
Die Kälteleistung ist die abgeführte Wärme, die Anschlussleistung der Strombedarf der Anlage. Bei luftgekühlten Kaltwassersätzen liegt die elektrische Aufnahme grob bei einem Drittel der Kälteleistung, abhängig von Außentemperatur und Vorlauftemperatur.
Brauche ich Glykol im Kreislauf?
Immer dann, wenn die Vorlauftemperatur unter etwa +4 °C liegt oder die Anlage im Winter im Freien steht. Glykol senkt die Wärmekapazität um einige Prozent und erhöht den Druckverlust. Beides wird bei der Auslegung berücksichtigt.
Wie schnell ist eine Mietkälteanlage einsatzbereit?
Standardaggregate bis etwa 300 kW sind in Österreich häufig innerhalb von 24 bis 72 Stunden vor Ort. Entscheidend für den Termin sind meist nicht die Maschinen, sondern Kran, Zufahrt und die bauseitige Vorbereitung von Strom- und Hydraulikanschluss.
Kann eine Mietanlage eine defekte Bestandsanlage direkt ersetzen?
In den meisten Fällen ja: Der Kaltwassersatz wird über Schläuche an den bestehenden Verteiler angebunden und übernimmt den Kreislauf. Voraussetzung sind zugängliche Anschlusspunkte, ausreichend Strom und eine geeignete Stellfläche in vertretbarer Entfernung.
Regelwerke und Grundlagen dieses Beitrags
- ÖNORM H 6040 und die einschlägigen Regeln der Technik zur Kühllastermittlung
- F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573 samt Fluorierte Treibhausgase-Gesetz 2009: Dichtheitskontrollen und Aufzeichnungen
- ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) samt Arbeitsstättenverordnung: Raumklima am Arbeitsplatz
Gesetze und Verordnungen finden Sie im Rechtsinformationssystem des Bundes, ÖNORMEN bei Austrian Standards, OVE-Normen beim OVE. Dieser Beitrag gibt den Stand von Oktober 2026 wieder und ersetzt keine Prüfung im Einzelfall. Verbindlich sind Bescheid und Fachplanung.
