Server erzeugen praktisch ihre gesamte aufgenommene elektrische Leistung als Wärme. Fällt die Kühlung aus, wird der Raum zum Heizkörper, dessen Leistung sich nicht abschalten lässt, solange die IT läuft. Anders als bei einem Stromausfall gibt es dafür in vielen Häusern keinen vorbereiteten Plan.
Dieser Beitrag zeigt, wie schnell es eng wird, welche Sofortmaßnahmen wirken und welche mobilen Lösungen (von der Splitanlage bis zum mobilen Rechenzentrum) in welcher Lage passen.
Wie schnell die Temperatur wirklich steigt
Ein Rechenbeispiel: In einem Serverraum mit 100 Kubikmetern Luftvolumen laufen 30 kW IT-Last. Die Luft im Raum wiegt rund 120 Kilogramm und speichert etwa 120 Kilojoule je Kelvin. 30 kW bedeuten 30 Kilojoule pro Sekunde, rechnerisch also rund 15 Kelvin pro Minute.
So dramatisch verläuft es in der Praxis nicht: Wände, Böden, Gehäuse und die Geräte selbst nehmen Wärme auf und dämpfen den Anstieg. Realistisch sind in dicht belegten Räumen mehrere Kelvin pro Minute. Von 22 auf 35 °C vergehen damit oft weniger als zehn Minuten, und in dieser Zeit muss die Entscheidung fallen.
Drei Faktoren verlängern das Zeitfenster: geringe Leistungsdichte, große thermische Masse des Gebäudes und ein kühler Nachbarbereich, in den Wärme abfließen kann. Drei Faktoren verkürzen es: hohe Rackdichte, kleine Räume ohne Fenster und eine bereits hohe Ausgangstemperatur.
Kaltwassersatz mieten: von der Anfrage bis zum Abtransport
Die Animation zeigt in fünf Schritten, wie es abläuft: Anfrage, Lieferung, Anschluss, Betrieb und Abholung. Unter der Zeichnung steht zu jedem Schritt, was dabei passiert.
- Strom
- Kaltwasser-Vorlauf
- Rücklauf
- Schritt 1 von 5 · AnfrageKälteleistung und Zeitraum nennenKälteleistung in kW, Vor- und Rücklauftemperatur, Mietzeitraum, Einsatzort und Stromversorgung genügen für den Start. Der Anbieter erstellt daraus ein Angebot.
- Schritt 2 von 5 · LieferungAnlieferung, auch als NotkälteDer Anbieter liefert den Kaltwassersatz zum vereinbarten Termin und stellt ihn im Freien auf. Einige Partner liefern im Notfall österreichweit innerhalb von 6 bis 8 Stunden.
- Schritt 3 von 5 · AnschlussVorlauf, Rücklauf, StromDer Vermieter schließt den Kaltwassersatz an Vorlauf, Rücklauf und Strom an und nimmt ihn in Betrieb. Ab etwa 15 kW ist ein 400-V-Anschluss üblich.
- Schritt 4 von 5 · BetriebKaltwasser für Ihre AnlageDer Kaltwassersatz kühlt das Wasser ab und schickt es über den Vorlauf zu Ihren Verbrauchern, der Rücklauf bringt es erwärmt zurück. Die Ventilatoren geben die Wärme an die Außenluft ab, der Anbieter überwacht die Technik.
- Schritt 5 von 5 · AbholungDemontage und AbtransportIst die Mietzeit abgelaufen, trennt der Vermieter die Anlage vom Netz, demontiert sie und transportiert sie ab.
Der erste Schritt ist die Anfrage. Beschreiben Sie Ihr Vorhaben. Wir holen bis zu drei Vergleichsangebote ein, kostenlos und unverbindlich.
Rechner
Zeitfenster bis zur Abschaltung berechnen
Der Rechenweg dieses Abschnitts als Werkzeug: Werte eintragen, Ergebnis sofort ablesen und mit einem Klick in die passende Anfragestrecke wechseln.
Ergebnis
– Minuten
Zeit bis zur Grenztemperatur
- Temperaturanstieg
- – K/min
- Benötigte Notkühlleistung
- – kW
- Raumvolumen
- – m³
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Womit der Rechner arbeitet
- Luftdichte 1,2 kg/m³, spezifische Wärmekapazität 1,005 kJ/(kg·K).
- Speichermasse von Racks, Estrich und Wänden pauschal mit dem Faktor 6 auf die Luftkapazität.
- Ohne Wärmeabfuhr über Wände: Ein Innenraum heizt schneller auf als ein Außenraum.
Alle Ergebnisse sind Richtwerte für die Vorauswahl. Verbindlich ist die Auslegung durch den Anbieter. Sie ist im Angebot enthalten und für Sie kostenlos.
Rechenweg und häufige Fragen
So rechnet der Rechner
Die Grundlage ist eine einfache Energiebilanz. Die IT-Last in Kilowatt entspricht Kilojoule je Sekunde, die im Raum bleiben. Dem gegenüber steht die Wärmekapazität des Raums:
- Luftmasse: Volumen × 1,2 kg/m³.
- Wärmekapazität der Luft: Masse × 1,005 kJ/(kg·K).
- Speichermasse: Racks, Estrich und Wände nehmen ebenfalls Wärme auf, und zwar deutlich mehr als die Luft. Dafür wird die Luftkapazität mit dem Faktor 6 multipliziert; das entspricht den in der Praxis beobachteten Anstiegen von rund einem Kelvin je Minute in gut gefüllten Räumen.
Der Temperaturanstieg folgt daraus als Leistung geteilt durch Wärmekapazität. Die verbleibende Zeit ist die Differenz zur Grenztemperatur geteilt durch diesen Anstieg. Weil Wärmeabfuhr über die Gebäudehülle bewusst nicht angerechnet wird, ist das Ergebnis eine konservative Untergrenze: Im realen Raum bleibt meist etwas mehr Zeit.
Was in diesem Zeitfenster zu tun ist
- Last senken: Testsysteme, Entwicklungsumgebungen und nicht kritische Knoten herunterfahren. Das verlängert das Fenster sofort.
- Wärme abführen: Türen öffnen, mobile Ventilatoren gegen kühlere Nachbarbereiche stellen, Doppelboden öffnen.
- Notkühlung anfordern: Ein mobiler Kaltwassersatz oder ein Klimagerät mit Außeneinheit überbrückt Tage bis Wochen, parallel zur Reparatur der festen Anlage.
- Abschaltreihenfolge festlegen: Wer vorab weiß, welche Systeme in welcher Reihenfolge heruntergefahren werden, verliert im Ernstfall keine Zeit mit Abstimmung.
Warum wird ohne Wärmeabfuhr über die Wände gerechnet?
Weil sie sich nicht seriös pauschalieren lässt: Ein Innenraum zwischen beheizten Nachbarräumen gibt kaum Wärme ab, ein Raum mit Außenwand im Winter deutlich mehr. Das Ergebnis ist deshalb bewusst der ungünstigere Fall, für die Notfallplanung die richtige Seite.
Wie schnell ist mobile Kühlung vor Ort?
Kleinere Einheiten bis etwa 50 Kilowatt stehen in Österreich häufig innerhalb weniger Stunden bereit, größere Kaltwassersätze binnen eines Tages. Entscheidend ist weniger das Gerät als die Übergabestelle: Stellfläche, Schlauchweg, Stromanschluss und Zugang.
Reicht es, die Tür zu öffnen?
Kurzfristig hilft es, dauerhaft nicht. Die Wärme verteilt sich nur auf ein größeres Volumen und wird nicht abgeführt. Sinnvoll ist es trotzdem: Es kauft Zeit, bis eine echte Kühlung steht.
Grundlagen dieses Rechners: ASHRAE TC 9.9: Thermal Guidelines for Data Processing Environments, ÖNORM EN 50600: Einrichtungen und Infrastrukturen von Rechenzentren, ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) samt Arbeitsstättenverordnung: Raumtemperaturen.
Welche Temperaturen zulässig sind
Maßgeblich sind immer die Herstellerangaben der eingesetzten Geräte. Als Orientierung dienen die verbreiteten Empfehlungen für Rechenzentrumsumgebungen:
| Bereich | Zulufttemperatur | Bewertung |
|---|---|---|
| Empfohlener Betriebsbereich | 18 bis 27 °C | Dauerbetrieb ohne Einschränkung |
| Zulässiger Bereich (Klasse A1) | 15 bis 32 °C | zeitlich begrenzt unkritisch, höhere Lüfterleistung |
| 32 bis 35 °C | — | Drosselung der Prozessoren, steigende Ausfallwahrscheinlichkeit |
| über 35 °C | — | Notabschaltungen, Risiko für Datenträger und Netzteile |
Neben der Temperatur zählt die Luftfeuchte: Zu trockene Luft begünstigt elektrostatische Entladungen, zu feuchte Luft Korrosion und im Extremfall Kondensation. Deshalb ist das spontane Öffnen von Türen und Fenstern zwar ein wirksames Notpflaster, aber keine Dauerlösung: Unbehandelte Außenluft bringt Feuchte, Staub und im Winter Kondensatrisiko mit.
Sofortmaßnahmen in den ersten Minuten
- Last reduzieren. Test- und Entwicklungssysteme, Batchjobs und nicht kritische virtuelle Maschinen herunterfahren. Jede abgeschaltete Kilowattstunde verlängert das Zeitfenster unmittelbar.
- Wärme abführen. Türen zu kühleren Nachbarbereichen öffnen, mobile Ventilatoren für Umluft aufstellen, Warmgang und Kaltgang nicht kurzschließen.
- Messen statt schätzen. Temperatur am Ansaugpunkt der Geräte erfassen, nicht in Raummitte, denn dort steht die Luft.
- Ursache prüfen. Häufig ist es nicht die Kältemaschine, sondern eine Sicherung, ein blockierter Kondensator, ein Kältemittelverlust oder ein Regelungsfehler.
- Parallel Ersatz organisieren. Eine Splitanlage steht oft binnen Stunden bereit; die Entscheidung sollte nicht auf die Diagnose warten.
- Geordnetes Herunterfahren vorbereiten. Legen Sie eine Temperaturschwelle fest, ab der abgeschaltet wird. Ein kontrollierter Shutdown ist besser als eine Notabschaltung mitten im Schreibvorgang.
Welche mobile Lösung passt?
Die Wahl hängt an Leistung, Dauer und Zugänglichkeit:
| Lösung | Leistungsbereich | Aufbauzeit | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Mobiles Klimagerät mit Abluftschlauch | bis ca. 5 kW | Minuten | kleine Technikräume, Überbrückung |
| Splitanlage (Innen- und Außeneinheit) | 5 bis 30 kW | Stunden | Serverräume, Wochen bis Monate |
| Kaltwassersatz mit Luftkühlern | 30 bis mehrere 100 kW | ein Tag | größere Räume, Ersatz der Bestandsanlage |
| Kaltwassersatz an bestehende Hydraulik | ab 50 kW | Stunden bis ein Tag | Ausfall der Kältemaschine bei intaktem Verteilnetz |
| Mobiles Rechenzentrum im Container | komplette IT-Umgebung | Tage | Totalausfall, Umbau, Kapazitätserweiterung |
Ab rund 30 kW Last ist ein mobiler Kaltwassersatz die passende Lösung. Ist das Verteilnetz intakt, übernimmt er direkt den bestehenden Kreislauf, sonst geben Luftkühler die Kälte an die Raumluft ab. Wenn Sie kurzfristig eine Kältemaschine mieten, liefert der Vermieter die Anlage, schließt sie an und nimmt sie in Betrieb, als Notkälte auch rund um die Uhr.
Rechner zum Thema
Kälteleistung selbst überschlagen
Dieselbe Rechnung für Ihre Werte: eintragen, Ergebnis ablesen und bei Bedarf direkt die passende Anfrage starten.
Ergebnis
– kW
Benötigte Kälteleistung
- Passende Gerätegröße
- – kW
- Wärmelast ohne Reserve
- – kW
- Kaltwasser-Volumenstrom bei 5 K Spreizung
- – m³/h
Kostenlos und unverbindlich. Wir holen bis zu drei Vergleichsangebote ein.
Rechenweg, Annahmen und häufige Fragen zu diesem Werkzeug stehen im Beitrag Kälteleistung berechnen: Wie viel kW Mietkälte Sie brauchen
Was vor der Anlieferung geklärt sein muss
- Aufstellfläche im Freien für Außeneinheit oder Kaltwassersatz, möglichst nah am Raum, mit freier Luftführung und ausreichend Abstand zu Fenstern.
- Leitungsweg für Kältemittelleitungen, Kaltwasser- oder Luftschläuche: Fensteröffnung, Lichtschacht, Kernbohrung. Brand- und Rauchabschnitte dürfen dabei nicht dauerhaft offen bleiben. Die Abschottung ist Teil der Planung.
- Stromversorgung mit eigener Absicherung; die Notkühlung sollte auf derselben Notstromschiene liegen wie die IT.
- Kondensatableitung mit Gefälle oder Pumpe. Kondensat im Technikraum ist ein unterschätztes Risiko.
- Zutritt und Sicherheit: Wer darf den Raum betreten, wer begleitet den Techniker, welche Zutrittsdokumentation ist nötig?
- Lärm: In Wohnnachbarschaft entscheidet der Aufstellort über die Zulässigkeit, siehe Lärmschutz und Genehmigung.
Wann sich ein mobiles Rechenzentrum lohnt
Ist nicht nur die Kühlung betroffen, sondern der Raum selbst (nach Wasserschaden, Brand oder während eines Umbaus), ist die Verlagerung der IT die schnellere Lösung. Ein Container-Rechenzentrum bringt Racks, Kühlung, Stromverteilung, Brandfrüherkennung und Zutrittssicherung als fertige Einheit mit; aufgestellt wird es auf dem eigenen Gelände, angeschlossen an Strom und Datenleitung.
Typische Anlässe:
- Sanierung oder Umbau des bestehenden Serverraums bei laufendem Betrieb
- Kapazitätserweiterung, bis der Neubau fertig ist
- Übergangsbetrieb nach einem Schadensereignis
- Temporäre Rechenleistung an einem Projektstandort
Planen Sie für Anlieferung, Aufstellung und Anbindung mehrere Tage ein und klären Sie die Datenanbindung früh, denn sie hat meist die längste Vorlaufzeit.
Vorsorge: die Notkühlung vorbereiten
Der Unterschied zwischen einer Stunde und einem Tag Ausfall entsteht lange vorher:
- Redundanz prüfen. Zwei Kältemaschinen nützen wenig, wenn sie an derselben Pumpe, demselben Stromkreis oder derselben Steuerung hängen.
- Kühlung auf die Notstromschiene. USV und Aggregat für die IT allein reichen nicht: Die Kälteanlage muss mitversorgt werden, sonst ist der Vorteil nach Minuten aufgebraucht. Wie das geplant wird, steht im Beitrag Blackout-Vorsorge.
- Anschlusspunkte vorbereiten. Ein nach außen geführter Kaltwasseranschluss mit Absperrung macht das Anbinden eines Mietchillers zur Sache von Stunden.
- Monitoring mit Alarmierung. Temperatur an mehreren Punkten, Schwellwerte mit automatischer Benachrichtigung, regelmäßig getestet.
- Notfallplan mit Schwellwerten: Ab welcher Temperatur wird welches System heruntergefahren, wer entscheidet, wer ruft an?
- Anbieter vorab klären. Wer im Ernstfall erst zu suchen beginnt, verliert die entscheidenden Stunden.
Gern hinterlegen wir Ihre Eckdaten, damit im Anlassfall sofort die passenden Partnerbetriebe angefragt werden können: Eckdaten hinterlegen.
Häufig gestellte Fragen
Wie warm darf ein Serverraum werden?
Der empfohlene Betriebsbereich liegt bei 18 bis 27 °C Zulufttemperatur, der zulässige Bereich der gängigen Geräteklasse bei 15 bis 32 °C. Oberhalb von etwa 32 °C drosseln viele Systeme, ab 35 °C steigt das Ausfallrisiko deutlich. Maßgeblich sind immer die Herstellerangaben.
Wie lange bleibt Zeit, wenn die Klimaanlage ausfällt?
In dicht belegten Räumen oft weniger als zehn Minuten bis zur kritischen Temperatur. Große Räume mit geringer Leistungsdichte gewinnen deutlich mehr Zeit. Verlassen Sie sich nicht auf Schätzungen, sondern auf gemessene Werte aus dem Monitoring.
Hilft es, Fenster und Türen zu öffnen?
Kurzfristig ja, wenn dahinter kühlere Bereiche liegen. Als Dauerlösung ist es ungeeignet: Unbehandelte Außenluft bringt Feuchte und Staub, im Winter droht zusätzlich Kondensation an kalten Bauteilen.
Reicht ein mobiles Klimagerät aus dem Baumarkt?
Nur für sehr kleine Lasten bis wenige Kilowatt. Monoblockgeräte mit Abluftschlauch erzeugen Unterdruck und ziehen warme Luft nach; ihre Nennleistung wird im Serverraum selten erreicht. Ab etwa 10 kW ist eine Splitanlage oder ein Kaltwassersatz erforderlich.
Wie schnell steht eine mobile Kühlung vor Ort?
Kleine Split- und Monoblockgeräte sind in Ballungsräumen oft binnen weniger Stunden verfügbar, Kaltwassersätze in der Regel innerhalb eines Tages. Entscheidend ist die bauseitige Vorbereitung: Stellfläche, Leitungsweg und Stromanschluss.
Regelwerke und Grundlagen dieses Beitrags
- Herstellerangaben der eingesetzten IT-Systeme zu Betriebstemperatur und Luftfeuchte
- Verbreitete Betriebsempfehlungen für Rechenzentrumsumgebungen (ASHRAE-Klassen)
- ÖNORM EN 50600-Reihe: Einrichtungen und Infrastrukturen von Rechenzentren
- F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573: Betrieb und Dichtheitskontrolle von Kälteanlagen
Gesetze und Verordnungen finden Sie im Rechtsinformationssystem des Bundes, ÖNORMEN bei Austrian Standards, OVE-Normen beim OVE. Dieser Beitrag gibt den Stand von Oktober 2026 wieder und ersetzt keine Prüfung im Einzelfall. Verbindlich sind Bescheid und Fachplanung.
